Von Fähren und Informationen

Von Nida auf der kurischen Nehrung, einem langen, schmalen Landstück, das das kurische Haff von der Ostsee abgrenzt, wollen wir die Fähre ans andere Ufer nehmen. Bereits am Vortag waren wir am Hafen gewesen und hatten die Fähre gesucht – oder zumindest irgend eine Information. Eine Frau wies mit der Hand in eine Richtung, in der zwar ein Schiff lag, das zwar irgendwie ans andere Ufer fuhr, aber nicht wirklich dahin, wo wir hinwollten.

Nun stehen wir wieder hier, vier bepackte Velos – Esther und Hans sind ja jetzt auch dabei. Wir sind früh genug am Hafen, eine Stunde vorher und fragen herum. Stefanie und ich suchen die Tourist Information auf. Die Frau am Desk weist auf einen Mann, der vor einer Vitrine kniet und Sachen einräumt. Wir möchten gerne die Fähre nach Vente nehmen, sage ich, wo fährt die genau? Der Mann blickt mich erstaunt an, als würde ich etwas fragen, was komplett offensichtlich sei. Er räumt weiterhin Sachen in die Vitrine und ich knie mich ebenfalls nieder. Die Fähre komme etwa um zehn Uhr an und fahre um 10.30. Genau, bestätige ich, das seien auch meine Informationen. Aber wo fahre die Fähre? Am Hafen. Ja, aber wo genau? Am Hafen. Genaueres ist nicht zu erfahren.

Hans hat in der Zwischenzeit mit einem Mann geredet, der nur Russisch und Litauisch spricht (!). Er habe gesagt, dass Vente wegen zu wenig Wasser nicht angefahren werden könne.

Wir irren etwas umher, finden schliesslich direkt hinter dem Hafengebäude in einer Ecke ein A4-grosses Blatt mit den Informationen zur Fähre, die auch tatsächlich gegen zehn Uhr kommt und uns mitnimmt.

Es ist nicht das erste Mal, dass die vagen Informationen unsere Geduld auf die Probe stellen. In Polen hatte uns die Mitarbeiterin der Camping-Reception mit Blick auf die Webseite einer Fähre gesagt, sie sollte morgen um 15 Uhr fahren. Ich regte mich auf, zeterte, dass ich von einer Tourismusmitarbeiterin erwarte, dass sie klare Aussagen machen könne, und nicht nur, „sollte“. Mit der Zeit gewöhnten wir uns daran, dass alles vage wirkte und am Ende doch jeweils funktionierte. Aber unsere schweizerische Ader möchte alles genau wissen, genau planen und komplett kontrollieren können. Das funktioniert hier nicht – wir haben uns angewöhnt, neben einem Plan B auch das Vertrauen zu haben, dass es auch jetzt wieder klappen würde.