Auf und ab im Schwarzwald

„Da habt ihr euch aber die falsche Talseite ausgesucht!“ meint ein Mann, der uns auf seinem E-Mountainbike locker in die Pedale tretend überholt, als wir unsere Velos kurz nach Alpirsbach einen steilen Kiesweg hinaufstossen. „Danke, wir wissen, was wir tun“, sage ich, etwas genervt, denn in den letzten Tagen gab es immer wieder Sprüche. Allerdings hatten wir die Strecke anders in Erinnerung, aber damals waren wir nur wenige Tage gefahren, hatten kein Zelt, keine Kochausrüstung und nicht viel Elektronik dabeigehabt, sondern nur etwas Material für die Tage bei Stefanies Eltern. Jetzt präsentierten sich die Kilometer bis Lossburg als ständiges Auf und Ab, den Blick auf den Kilometerzähler geheftet, im Wald zwar deutlich kühler als auf der Strasse unten – und ohne Verkehr.

Es sind nicht die ersten Anstiege, mit denen wir kämpfen. Da war der Schweizer Jura, dann nach Lörrach die Ausläufer des Schwarzwaldes, später der Schwarzwald selbst. Die Rechnung ist einfach: wenig Training mal viel Gewicht bedeutet einen härteren Einstieg in unser Velojahr, als wir es uns erhofft hatten. „Neckig“ heisst das auf Schwäbisch, wenn man ohne Training an ein Rennen geht, erklärt uns Thomas später. Jetzt wissen wir, wie es sich anfühlt.

Da war zum Beispiel das Landwassereck. Es ist Karfreitag, herrliches Wetter, blühende Bäume, die Strassen voller Motorradfahrer, die ihre Maschinen ausführen. Die Strasse beginnt bald zu steigen. „Nach einem Kilometer wird es besser“, sagt ein Landwirt zu Stefanie, als wir wieder einmal am Strassenrand anhalten und verschnaufen. Autos und Motorräder ziehen an uns vorbei. Bald wird es so steil, dass wir alle fünfzig bis hundert Meter anhalten. Gümmeler und Mountainbikerinnen überholen uns, sagen „weiter so“ oder „ihr habt aber viel Gepäck“. Ich kralle die Hände um den Lenker, richte den Blick auf den Asphalt, er ist mit vielen kleinen Steinchen durchsetzt, und auf den weissen Streifen, damit ich für die Autos einschätzbar bleibe. Die Passhöhe kommt in Sicht, eine Person auf der Terrasse zeigt uns den hochgereckten Daumen. Wir arbeiten uns weiter hoch, die Sonne brennt, die Beine auch, Zug um Zug, Tritt um Tritt, schaffen wir es nach oben. Ein Gümmelerpärli gratuliert uns und fragt, wo wir hinwollen. Estland, sage ich.

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