Ban Nai Rai – Nai Thon Beach

Der Tag beginnt damit, dass ich mich im Bett umdrehe und aufs Meer hinausschaue. Blau und glatt scheint es hinter der Sandbank zu liegen. Dann aber drängt das Programm: Nach der Erfahrung mit der Hitze gestern wollen wir heute möglichst noch vor neun Uhr losfahren. Beim Frühstück amüsieren wir uns ab einer chinesischen Reisegruppe und ich kann nachvollziehen, dass diese Gäste in der Schweizer Gastronomie nicht sehr geschätzt sind. Eine Frau in sehr kurzer Hose und einem durchsichtigen langen Mantel sowie Plateau-Flipflos (ca. 7 cm hoch), betrachtet uns, als kämen wir von einem anderen Stern. Wir versuchen, genau so zurückzuschauen. Ein Esel nennt den anderen Langohr, denke ich.

Die ersten paar Kilometer kurven wir wie gestern durch das Grün, Weideflächen und Palmenanlagen, dazwischen immer wieder Tümpel, praktisch ohne Verkehr. Rund 30 Meter fahren wir sogar fast direkt am Meer. Später kommen noch 50 Meter dazu.



Mit der Zeit werden es mehr Häuser und ich denke, mir gefallen die Kokospalmen. Sie haben einen langen, schmalen Stamm und auch die Blätter sind recht fein und schön kugelförmig um das Stammende verteilt. Ich glaube, auf romantischen Bildern mit hellem Strand, türkisfarbenem Wasser und so sind es oft Kokospalmen.

Plötzlich sind wir in einer eigenartigen Gegend, links der Strasse zerfallene oder heruntergekommene Hütten und Häuser, alles recht schmutzig, ein paar einstöckige Industriebauten. Rechts grüne Weiden mit Schildern „Land zu verkaufen“ oder Häuser im Bau oder Anlagen mit Securitas am Eingang und grossen Toren. Nicht sehr häufig haben wir hier Arm und Reich so nah beieinander gesehen. 

Links „Land zu verkaufen“, rechts heruntergekommene Häuser und Industrie.

In dieser Gegend gibt es erstaunlicherweise einen Velostreifen auf beiden Strassenseiten, immer mal wieder mit einer weissen Abbildung von einem Velo und einem Pfeil.
Bei der Einmündung in die 402 ist die Ruhe und Beschaulichkeit vorbei. Da die Strasse einen bepflanzten Mittelstreifen hat, fahren wir zuerst in Richtung Norden, um den U-Turn zu erwischen, dann wieder in Richtung Süden. Der Verkehr ist schnell, aber dank zwei breiten Seitenstreifen nicht gefährlich. Wir rasen mit gut 20 kmh Phuket entgegen. Nach einer Wägestation für Lastwagen sind wir plötzlich auf der Brücke. Da ich mich entsinne, dass man mindestens zu Fuss anderswo über die Brücke kommen sollte, biegen wir ab und suchen die Strasse. Sie stellt sich allerdings als Weg mit ziemlich vielen Treppen heraus… Wir betrachten die Aussicht, das blaue Meer, die Küsten, Schiffe und suchen ein Cafe. Dem ist leider nichts, also doch über die Brücke. Auch hier, trotz Verkehr ist sie dank der Seitenstreifen gut zu fahren. 

Auf der Brücke nach Phuket.


Nach der Brücke ist „Phuket Gateway“ angeschrieben mit den Symbolen für Toilette, Cafe usw. Wir halten auf dem leeren Parkplatz an, etwas heruntergekommen, nichts los. Schliessen die Velos neben einem malerischen kleinen Teich an und steigen die Treppe hoch. Das Gebäude besteht aus einer grosszügig angelegten Galerie mit Infotafeln und diversen leeren Räumen dahinter. Ein paar Arbeitende rechen Laub zusammen oder knutschen eine der drei kleinen Katzen, die herumspringen. Im Kühlschrank neben einem kurzen Tresen steht ein halbvoller Icecafe-Becher. Immerhin, die Toiletten funktionieren. 

Solche Un-Orte haben wir schon ein paar Mal angetroffen. Zum Beispiel eine Tankstelle mit einem super Angebot und als wir hinkamen, war sie noch im Bau. Hauptsache, das Schild steht schon mal… Wir beschliessen, weiterzufahren.
Vor der Polizeikontrolle verstecke ich den Spot in der Lenkertasche, ich habe so ein ungutes Gefühl, dass des Englischen nicht mächtige Polizisten/Soldaten wenig vom „GPS“ oder „Satellite“ halten könnten. Wir trinken ein Cola und essen Chips an einem Strassenstand.

Stefanie findet auf ihrem Karten-App ein Cafe in der Nähe und wir halten dort. Das waren in den letzten 40 Minuten zwar nur 1.5 Kilometer, aber Kaffee muss sein. Also gibt es – wir fangen nichts Neues an – einen Iced Latte und einen Iced Thai Tea. Stefanie bestellt sich noch ein Toast mit Kondensmilch. Es ist sehr lecker.
Das nächste Ziel ist der Flughafen, wir fahren sowieso praktisch daran vorbei und wollen nachfragen, ob sie möglicherweise Kartons für Velos verkaufen/abgeben. Die Strasse ist relativ stark befahren und es ist heiss. Wir fahren mit einem flotten Schnitt weiter. Solange wir fahren, ist die HItze nicht so schlimm, auch nicht an den kleineren Anstiegen. Aber sobald wir stehen bleiben, um etwas zu besprechen, prallt die Sonne unerbittlich auf uns nieder und ich werde fast augenblicklich aggressiv. Ich kann jetzt verstehen, warum uns jemand erzählt hat, die Hunde seien schlimmer, wenn es sehr heiss sei (momentan gilt es ja nicht als sehr heiss). Wobei, als Hund würde ich mich in den Schatten legen und ganz bestimmt nicht irgendwelchen Velos nachspringen. Aber item.

Irgendwann sind wir am Flughafen und wer schon mal versucht hat, zu Fuss oder mit dem Velo an den Flughafen zu gelangen, weiss, dass das manchmal etwas schwierig ist. Plötzlich ist die Strasse zu „Departures International“ gesperrt für Mofas und alles darunter, also umkehren. Als wir die Velos auf den Ausgang eines Terminals (Ankunft) zustossen, informiert uns ein Sicherheitsbeamter, dass wir die Velos auf dem Mofaparkplatz parken müssen. Mit dem Gepäck? Er ist kurz irritiert, funkt etwas in sein Gerät und weist dann aber unmissverständlich auf den Mofaparkplatz. Stefanie ist die Hitze definitiv in den Kopf gestiegen, ich beschwichtige, sie wartet mit den Velos – auf dem Parkplatz. Ich betrete die eisgekühlte Eingangshalle, komme aber auch nicht weiter. Die nette Dame an der Info sagt: We don’t have that. Ob es der Thaiblick ist oder nicht – ich kapituliere und wir fahren weiter, weil wir dringend was zu essen brauchen. Bald sitzen wir in einer netten Suppenküche, schaufeln mit den Stäbchen in Thai-Manier Nudeln auf den Löffel und besprechen die Lage. Fazit: Wir fahren ins Hotel.
Nur, das ist leider manchmal nicht so einfach. Schon ein paar Mal haben wir festgestellt, dass die Hotels nicht auf allen Karten am gleichen Ort verzeichnet sind. Manchmal sind sie bei booking.com falsch eingetragen, manchmal bei Googlemaps. Nachdem wir ein paar alte Frauen irritiert haben, weil wir ohne Eintritt in den Nationalpark gefahren sind, weil unser Hotel da drin eingezeichnet war (was sich natürlich als falsch herausgestellt hat), sind wir auf einer neuen Strasse unterwegs. Sieben Kilometer sind es noch.
Die Strasse ist schön, führt kurvig, aber eben durch Häuser und Pflanzungen. Plötzlich fällt mir ein Schild ins Auge mit einem Lastwagen und „use low gear“, das gemeinhin für steile Abfahrten steht. In meinem Hirn steht der Gedanke, es könne gar nicht so steil sein, weil wir dafür zu wenig Höhe haben, da sehe ich den Anstieg. Natürlich, für Lastwagen gilt hier vermutlich auch hier „niedriger Gang.“ Nun denn, wir fahren und schieben.

Fisch zum Trocknen.


Rund zwanzig Minuten später schauen wir von unserem Balkon aufs Meer hinaus. Gut, dazwischen ist noch eine Strasse (mässig befahren), ein paar Bäume und ein bisschen Sand. Das ZImmer ist gross, wir dürfen die Velos mit reinnehmen. Von hier aus werden wir morgen Kartonboxen organisieren, dann die Velos reinigen, demontieren und verpacken!
Ihr fragt euch bestimmt, wie es sich so anfühlt, das Ende der Reise. Die Wahrheit ist, wir können es im Moment nicht sagen. Im Moment ist es noch ein Abend wie jeder andere, wir sind froh, wohlbehalten angekommen zu sein, freuen uns über den Meerblick, auf die Dusche und ein feines Thaifood Abendessen. Der Rest wird sich erst setzen. Zwei Nächte bleiben uns hier noch, mit warmem Wetter, Sonne, Meer und Thai in unseren Ohren, Thaifood zum Essen und dem Gefühl, recht wenige Verpflichtungen zu haben. Am Donnerstag fliegen wir spät abends von Phuket über Bangkok heim. Wir freuen uns auf euch!


Ach ja, noch eine Anekdote.

Auf einem Klo: Zur Abschreckung, dass man nicht auf die (westliche) Toilettenschüssel stehen sollte (wie es asiatische Personen oft tun), hat es an der Innenseite der Kabinentüre Bilder von zerbrochenen Kloschüsseln und schwerverletzten Rücken in Krankenhausbetten im Stil von Zigarettenschachteln.
Abendessen am Strand: Tiger Prawns in Curry für mich, gebratenen Reis mit Poulet für Stefanie, beide trinken wir eine Kokosnuss.   

Katharina       

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