Khura Buri – Takua Pa

Wieder viele Plantagen, Gummibäume und Palmen, aber heute wirkt es geordneter, fast industrieller als bis anhin. Manche Plantagen sind neu, mehrheitlich ist der Boden noch unbedeckt, wird rot dem Regen ausgesetzt, die Bäume sind noch klein. Das sind recht hässliche Flächen in der Landschaft. Bananen und Palmen werden wachsen oft gemischt, die ersten paar Reihen entlang der Strasse gehören den Ananas. Diese Pflanzen haben wir bisher vor allem im Norden gesehen. Manchmal sind es auch Chilipflanzen mit kleinen, mehrheitlich grünen Schoten. In einem Tümpel, dessen Oberfläche regenbogenfarbig glänzt von einer Verunreinigung, wachsen knallrosa Seerosen. Immer wieder hat es an der Strasse grosse Becken für die Shrimps-Produktion. Kleine Wasserräder bewegen das Wasser, da es nicht stillstehen darf.

Palmenplantage.

Gummibaumplantage.


Der Verkehr ist heute wieder stärker, Pickups rasen an uns vorbei und der eine oder andere behämmerte Lastwagenfahrer hupt genau auf unserer Höhe. Das erschreckt mich jedes Mal, auch wenn ich sie vorher im Rückspiegel gesehen habe.
Der Belag am Strassenrand ist rauh, bietet einen hohen Rollwiderstand. Ich versuche, auf der neu gezogenen weissen Seitenlinie zu fahren, aber es ist nicht ganz einfach. Am besten funktioniert es, wenn ich nicht krampfhaft vor den Reifen starre, sondern etwas voraus. So kann ich generell den Kurs halten, muss aber kleine Abrutscher, vor allem mit dem Hinterrad, in Kauf nehmen. Ich entspanne mich und lasse es rollen. Zu weit voraus darf ich auch nicht schauen, sonst rutschen meine Reifen immer wieder von der Linie. Ob diese Erkenntnis auch fürs Leben gilt?
Nach zwanzig Kilometern stoppen wir bei einem kleinen Laden, eine Frau begrüsst uns freundlich, öffnet uns den Kühlschrank, während wir die Schuhe abstreifen. Bei diesen kleinen Läden lassen die Einheimischen nämlich die Schuhe (meist Flipflops) draussen. Wir kaufen Cola und einen kalten süssen Kaffee und Chips und eine unbekannte Süssigkeit. Leider hat es keinen Tisch mit Stühlen draussen, um sich hinzusetzen. Eine ältere Frau sagt immer wieder fragend „English“ zu uns, ohne dass wir verstehen, was sie uns sagen/fragen möchte. Schliesslich fahren wir weiter und trinken die Getränke nach einigen hundert Metern am Strassenrand.


In Unterständen ohne Wände liegen schmutzig-weisse Bälle von der Grösse eines kleinen Handballs – der geklumpte Saft des Gummibaums. Wenn Lastwagen oder Pickups mit der Ernte an uns vorbeifahren, liegt ein fauliger Geruch in der Luft. 

Eine Moschee. Meist nicht ganz so farbig, aber vom Gebäude her sind sie immer ungefähr so.


Schlingpflanzen verleihen dem haushohen Gebüsch am Strassenrand ein unförmiges Aussehen. Wo sie nicht übernehmen konnten, bietet sich ein recht hübsches Arrangement von Palmen, Bananen und unterarmdickem Bambus. 
Das Wetter meint es gut mit uns heute, immer ein kleines Lüftchen, der Himmel bedeckt, es ist nicht so heiss. Als auch nach 30 Kilometern kein kleines Restaurant fürs Mittagessen auftauchen will, beschliessen wir, bis Takua Pa durchzufahren. Bald kommt eine Kreuzung, rechts geht es nach Phuket, links durch die Berge auf die östliche Seite des schmalen Landstreifens. Wir halten kurz an, um uns mittels Google Maps zu orientieren und herauszufinden, wo genau die Unterkunft liegt, die wir für heute ins Auge gefasst haben. „Thai Design Hotel“, wir sind gespannt!

Als ich mich umschaue, sehe ich einen Kleiderladen, die garagentorartige Front ist geöffnet, zwei Schaufensterpuppen tragen ultrakurze Kleidung, die man nur noch mit sehr gutem Willen als Jupe bezeichnen kann. Zwei Verkäuferinnen sitzen auf einer Bank im Schatten – mit Kopftuch. Die Frauen hier tragen nicht das einfache Kopftuch (Hijab), sondern die etwas erweiterte Version, die auf die Schultern fällt oder manchmal bis zum Ellbogen reicht. Darunter allerdings oft T-Shirts (also kurzärmlig), mit langen Hosen und nackten Füssen in der Standard-Fussbekleidung hier: Flipflops oder ähnliche Plastiksandalen.
Die Ortschaft Takua Pa kommt schon bald und es ist einer von den Orten, an denen man am liebsten schnell vorbeifährt. An einer breiten Strasse reihen sich Wirtschaftsgebäude und Läden aneinander, die allesamt nicht schön anzusehen sind. Wir überlegen kurz, eben weiterzufahren, denn wir sind nicht mehr weit vom Meer entfernt. Allerdings sieht der Himmel wieder einmal nach Regen aus. Wir beschliessen, uns das Hotel anzuschauen, das in einer ruhigen Seitenstrasse liegt und neu und farbig aussieht. Wir bleiben – und wieder einmal keine Minute zu früh. Nach den schnell abgewickelten Formalitäten haben wir eben die Saccochen in unser Zimmer geschleppt, als draussen das Wasser vom Himmel rauschte. 

Wenn man von dem Interieur auf Thai Design schliessen möchte, so ist es schlicht und funktional. Das Gebäude ist recht neu, aber wie so oft sind einige Dinge, insbesondere im Bad oder auch bei der Montage der Klimaanlage, nachlässig gemacht. Wir haben uns das schon öfters gefragt: Die Thai legen offenbar viel Wert auf Sauberkeit (ständig ist jemand am Wischen) und vor vielen Gebäuden zieht man die Schuhe aus. Im 7-11 zieht man die Schuhe nicht aus, da ist jemand ständig mit dem Wischmob unterwegs. Bei neuen Häusern gibt es viele Verzierungen, farbige Anstriche, geschlungene Gitter und Tore, usw. Aber oft ist alles recht schnell ein bisschen kaputt, wirkt dadurch heruntergekommen. Die Frage ist aber, wie sehr die Regenzeit den Häusern und Anlagen zusetzt. Bei der Unterkunft in Suk Saram hatten wir den Eindruck, dass die Angestellten erst damit beschäftigt waren, die Anlage für die kommende Hauptsaison (ab Dezember) vorzubereiten, grundzureinigen, die Büsche und Sträucher zu schneiden, den Teich zu säubern usw. 

So sehen hier Besen aus: Nur ca. ein Meter lang werden sie mit einer Hand „bedient“.

Gestern Abend haben wir übrigens wieder die Zikaden gehört, diesmal waren sie allerdings etwas weiter weg. Wir sassen im Restaurant, vor uns einen Papayasalat (Som Tam) sowie ein rotes und ein grünes Curry mit Reis. Die Fenster waren alle offen und es war immer noch ziemlich warm. Ein holländisches Pärchen, das an einem Tisch am nächsten Fenster sass, fragte das Servierpersonal nach dem Geräusch. Leider reichte deren Englisch bei Weitem nicht aus, so dass ich mir nicht verkneifen konnte, mich einzumischen. 
Als der Regen vorbei ist, fahren wir frisch geduscht mit dem Velo in Richtung Ortschaft. Wir nehmen nicht die Hauptstrasse, sondern fahren am Hotel vorbei auf einer Nebenstrasse. Plötzlich sehe ich zwanzig Meter vor uns eine grosse Echse die Strasse überqueren. Und ich meine wirklich gross, von der Nasenspitze bis zum Schwanzende ungefähr ein Meter lang. Sie schleppte sich vorwärts, ein Schritt vor dem anderen. Ich fuhr langsam auf sie zu und fotografierte, was natürlich nicht besonders gut herauskam. Das hätte ich jetzt nicht sehen müssen, sagt Stefanie, als ich nach vorne gestikuliere und schaut sich auf den nächsten hundert Metern misstrauisch um. Was da wohl sonst noch alles im Gebüsch versteckt ist…

Von der Nasen- bis zur Schwanzspitze ca. ein Meter lang.

Wir finden ein nettes Cafe, das Book Tree heisst und setzen uns. Keine Minute zu früh, da beginnt es zu regnen. Ein Mann steht in Plastiksandalen auf einer wackligen Aluleiter und bohrt Bleche an Streben – er flickt das Dach. Egal wie er die Leiter hinstellt, ein Bein hängt immer im Leeren, aber er hält sich ja an der Dachkonstruktion fest. Plötzlich ist er verschwunden, ich schaue mich um und entdecke die Füsse auf den Verstrebungen! Er steht also auf dem Dach. Da beginnt es aber so zu schütten, dass er sich ans Trockene stellt und seine Zigarette fertigraucht. Wir trinken Kaffee (Stefanie) und Thai Milk Tea (ich) und lesen. Wir bestellen auch etwas zu essen: Einen Toast mit Schlagrahm und Schokosauce und einen Toast mit getrocknetem Schweinefleisch und Currypaste. Während Stefanie mit ihrer Wahl Glück hat (Schlagrahm und Schokolade), zwinge ich mich in den nächsten zwanzig Minuten durch mein Gericht und konzentriere mich auf mein Buch: Ein Bericht über den Pacific Crest Trail. Das getrocknete Schweinefleisch sieht ohne Witz (Foto!) aus wie zerbröselte Glaswolle und die Currypaste ist nicht fein. Es sind harte zwanzig Minuten. 

Toast mit getrocknetem Schweinefleisch und Currypaste. Wird nicht wiederholt.


Toast mit Schlagrahm und Schokosauce: die bessere Wahl.


Der Regen trommelt auf das Blechdach, an zwei Bäumen, die durch das Dach ragen, läuft Wasser herunter. In Unebenheiten auf der Strasse sammelt sich Wasser. Die Luft kühlt ab.
Irgendwann haben wir wieder Hunger und möchten noch Wasser kaufen, also wischen wir die Sättel ab und fahren weiter, über eine Brücke in die eigentliche Ortschaft hinein. Nach einem Zwischenstop im 7-11 (Wasser) suchen wir ein Restaurant. Leider fahren wir etwas zu weit und müssen zurück, da fängt es wieder zu regnen an. Wir schieben die Velos mit der einen Hand, halten Regenschirme in der anderen. Aber dann müssen wir resignieren und bleiben unter einem Vordach stehen. Es schüttet wie aus Eimern. Pickups rauschen vorbei, spritzen Wasser aus Pfützen, die andere Strassenseite ist durch den grauen Schleier nur undeutlich zu erkennen. Das Restaurant ist nur zwanzig Meter entfernt, aber mit den Velos kommen wir kaum zwischen den geparkten Autos durch und würden so bis auf die Haut durchnässt. Also warten wir noch eine Weile. In einer Beinahe-Pause huschen wir nach drüben. Es gibt gebratenen Reis mit Poulet und Ei und dazu einen Kiwi- respektive Traubensaft. Beide Säfte sind so süss, dass wir sie nach jedem Schluck mit dem Wasser verdünnen müssen, das in einem Krug auf dem Tisch steht. 

Kiwisaft.

Durch leichten Nieselregen fahren wir schliesslich in der Dämmerung heim. Morgen geht es ans Meer!          

Die Reiseführerin einer deutschen Gruppe war so begeistert von unseren Velos, dass sie sich mit uns ablichten wollte.

Wie lautet der Satz auf Thai wohl? „Wir bitten Sie höflichst, Ihre Geschwindigkeit auf ein annehmbares Mass zu begrenzen?“

                                                                               

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