Chiang Mai – Ayutthaya

An diesem letzten Tag in Chiang Mai schlafen wir länger als sonst – bis acht Uhr. Auschecken muss man erst um zwölf Uhr und wir gönnen uns einen relaxten Morgen. Nach dem Frühstück packen wir und merken erst jetzt, wie sandig der Boden unter den Saccochen geworden ist… Wir lassen dem Zimmerpersonal ein Trinkgeld da und die Hälfte der Tasche mit Nahrungsmitteln, die wir am ersten Abend bekommen haben. Nicht alles eignet sich, um in Saccochen transportiert zu werden…
Mit einem Tuktuk fahren wir zum Bahnhof, um unser Ticket abzuholen. Wir haben über eine Agentur gebucht, direkt buchen kann man nicht. Die Agentur hat unsere Tickets gekauft und in einem Hotel gegenüber vom Bahnhof hinterlegt. Der Bahnhof hat eine Handvoll Geleise, einen Warteraum nur für Mönche, ein paar Läden mit Nahrungsmitteln und Getränke, kioskartig, Gepäckaufbewahrung, zwei Schalter für Information und Tickets sowie ein paar Tuktuk-Fahrer vor dem Haupteingang, die einen unbedingt fahren wollen. 

Warteraum nur für Mönche.


Wir finden das Hotel schnell und obwohl die Frau an der Reception irritierend lange in ihren Unterlagen blättert, als ich ihr den Voucher hinstrecke, findet sie schliesslich unsere Tickets. Am Bahnhof fragen wir, wie es mit den Velos geht. Für sie kann man weder reservieren noch Tickets kaufen, soweit wir vorgängig herausfinden konnten, muss man am Gepäckschalter zahlen und hoffen, dass sie das Velo mitnehmen. Die Frau am Informationsschalter sagt sofort, unser Zug habe kein Gepäckabteil (cargo coach). Die Velos müssten mit dem Zug um 17 Uhr fahren, wir sollen uns beim Gepäckschalter melden. Dort heisst es, die Velos müssten auf den 15.30 Zug, wir müssten um 14.30 Uhr da sein. Also mit dem Tuktuk zurück zum Hotel, Velos aus der Garage holen, Gepäck montieren und endlich endlich wieder Velofahren. Mit dem Velo dauert der Weg fast weniger lang als mit dem Tuktuk. Und es stinkt bedeutend weniger.

Der Gestank ist für mich das Hauptproblem beim Tuktuk. Der Sitz ist leicht nach hinten gekippt, dass man nicht aufrecht sitzt, so liegt man halb mit angewinkelten Beinen, denn für die ist ja zu wenig Platz, damit hat man aber den Kopf ziemlich gerade über dem Auspuff – und der stinkt. Was sie genau verbrennen, weiss ich nicht, aber ich tippe auf einen Zweitaktmotor, und nicht auf die neueste Generation (falls es davon neue Generationen gibt). Ich habe versucht, eine Beschreibung für den Geruch zu finden, es hat etwas säuerliches, weiter bin ich nicht gekommen. Ich möchte dann durch die Nase einatmen, damit das Gewebe dort möglichst den Feinstaub herausfiltert, aber da es so stinkt, öffne ich den Mund, wodurch ich wiederum den ganzen Feinstaub abkriege… Ein Dilemma. Schlimm ist es jedoch hauptsächlich deshalb, weil der Verkehr so dicht ist. Wenn das Tuktuk richtig fahren kann, stinkt es nicht halb so schlimm. Aber das ständige Stop-and-go führt dazu, dass man richtig in den Abgasen sitzt. Der zweite negative Punkt über das Tuktuk-Fahren ist, dass man wenig von der Umgebung sieht. Das Dach kommt so weit herunter, dass man eigentlich nur die Strasse zu beiden Seiten sieht und kaum die Häuser am Strassenrand. Item.

Am Bahnhof verpacken wir die Saccochen in die grosse Tasche und zahlen 480 Baht für die beiden Velos und die Tasche. Es ist alles etwas unklar, plötzlich kostet es mehr als sie uns zwei Stunden vorher gesagt hat. Ich zahle aber einfach, es gibt keine Alternative. Und 480 Baht sind irgendwo im Bereich von 13 Franken. Zwei Männer beladen den Seitenwagen eines Rollers mit zusammengefalteten Kartonkisten, zwei andere, offensichtlich Mitarbeiter der Gepäckabteilung, essen etwas aus Styroporschachteln, verschiedene Leute bringen Pakete oder holen welche ab. Wir stehen etwas komisch am Rand des Treibens und wissen nicht so recht, was wir tun sollen. Ich habe zwei Abrisse von Formularen zum Abholen der Velos und der Tasche bekommen, aber die drei Objekte haben keine Zettel dran. Wird es klappen? Werden unsere Sachen in Ayutthaya auf uns warten, wenn wir morgen früh um fünf dort ankommen? Es ist wieder einmal diese Situation, die man unterwegs immer wieder hat. Wir sind gezwungen, Vertrauen zu haben in diese Menschen und in die hiesigen Strukturen, dass alles klappt, dass die Velos nicht beschädigt werden und das Gepäck alles da ist, dass sie es auf den richtigen Zug bringen und am richtigen Ort ausladen. Wir können nicht alles kontrollieren. Wir können nur Vertrauen haben und ein bisschen hoffen, dass es gerechtfertigt ist. Im Grunde genommen sieht ja alles auch recht solide aus, es gibt Formulare und Abrisszettel und schliesslich wurden ja auch noch die Velos und die Tasche mit Zetteln versehen. Wobei wir nicht verstehen, was draufsteht. Worte in Thai und ein paar Zahlen. Wir stehen noch eine Weile herum, dann raffe ich mich auf und sage zu Stefanie, komm, wir gehen Kaffee trinken. Es wird schon gut gehen.

Da stehen unsere Velos und warten.


Dreieinhalb Stunden bleiben uns noch, wir trinken Kaffee und essen ein scharfes Essen, schlendern dann auf der Suche nach einem Massagesalon in Richtung Innenstadt, aber wenn man mal einen bräuchte, ist gerade keiner da, also wieder zurück und nochmal Kaffee, diesmal mit Kuchen. Später kaufen wir uns noch Wasser für in den Zug und nutzen die Gelegenheit, im 7-11 Supermarkt Geld zu wechseln. Wir haben nämlich herausgefunden, dass die lauter Hunderternoten zurückgeben, wenn man Kleinigkeiten mit einer 1000-Note zahlt. Die sind hier ziemlich unpraktisch, wenn man nicht gerade ein Abendessen oder eine Massage zahlen will. 
Und dann steht da unser Zug, Abfahrt um 18 Uhr in Richtung Bangkok. Mehrere uniformierte Leute stehen in einer Reihe, die Hände auf dem Rücken und hören zwei ebenfalls Uniformierten zu. Wir grinsen, das muss das Zugpersonal sein. Die Ansprache dauert eine Weile und wir fragen uns, ob sie wirklich was vom Speech mitbekommen. Sie sehen mässig motiviert aus und hinter ihnen dröhnt eine Lokomotive. 


Unser Wagen ist fast zuhinterst und wir müssen fast dem ganzen Zug entlang gehen. Wir haben „Klasse II, Ladies only“ gebucht und finden schnell unsere bordaux-roten Sitze. Die Betten sind noch nicht gemacht, die breiten Sitze sehr praktisch. Der Wagen füllt sich nach und nach mit vorwiegend ausländischen Frauen, einige junge Mädels aus Frankreich, eine Gruppe älterer französischsprechender Frauen, ein paar Asiatinnen. Punkt 18 Uhr rollt der Zug aus dem Bahnhof, durch die Scheibe sehen wir, wie die Sonne untergeht. Zehn Minuten später ist es dunkel. Der Mond hängt wie eine Orange niedrig über dem Horizont.


Wir bestellen Essen und Trinken bei einem Kellner, der vorbeikommt, schreiben dann Blog, lesen. Ich denke an die Velos und die Tasche und wie sie hoffentlich in einem Zug rund zwei Stunden vor uns unterwegs sind. Sie werden in Ayutthaya auf uns warten.  

Katharina

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