Ayutthaya

Dank vierzig Minuten Verspätung kommen wir in der blauen Stunde an. Die Dämmerung ist zwar eher leicht rosa, grau-rosa. Unsere Velos stehen mit der Tasche bei einem Stapel Kisten und Pakete, obwohl wir fest daran geglaubt haben, dass es klappt, sind wir erleichtert. Wir beladen und fahren durch das morgendliche Ayutthaya zur Unterkunft.Ein Mönch am Strassenrand, unter einem bereits wieder angefressenen Mond. Über eine grosse Brücke fahren wir auf die Insel, die Innenstadt. Die breiten, dunklen Strassen sind noch recht leer. Drei Hunde kratzen sich auf einer Verkehrsinsel, hie und da hört man jemanden wischen. Im Gebüsch links bewegt sich ein Mann, spuckt? pinkelt? Die Luft ist um die 25 Grad warm, es ist knapp vor sechs Uhr morgens. Es wird so schnell Tag, wie es abends Nacht wird. Eine grössere Gruppe von Hunden, sieben, acht, unter einem überlebensgrossen Bildnis des Königs, Tuktuks schon ohne Licht, hinter uns zartrosa Streifen am Horizont. Wir fahren durch die noch geschlossenen Ruinen, deretwegen wir hier sind. Ayutthaya, während 35 Königen die königliche Stadt, der Ort, wo das thailändische Königreich geboren wurde. Bis 1767 die Burmesen alles verwüsteten. 

Am Strassenrand tischen Leute Frühstück auf, die Thai essen ja auch die erste Mahlzeit oft auswärts. Wir erreichen das Hotel und das Wunder geschieht: Knapp nach sieben Uhr morgens dürfen wir einchecken, duschen, danach sogar frühstücken.

Kurz vor sechs Uhr morgens in Ayutthaya.

Juhu, unsere Velos sind da!


Um acht sind wir bei den Ruinen, schauen uns aus Ziegelsteinen gemauerte Überreste stolzer Chedis und Wats an, die Sonne brennt schon wieder herab. Der Eintritt ist bis Ende Januar frei – der Grund ist der Tod des thailändischen Königs vor einem guten Monat. Nach dem dritten Tempel realisieren wir, dass es oft etwas ähnlich aussieht: die Mauerreste in weitläufigen Grünflächen mit Bäumen. Viele Buddhastatuen sind ohne Kopf und oft sind es ganze Arsenale an Beinen und Oberkörpern, die nebeneinander liegen. Eindrücklich ist der wohl schon Millionenfach fotografierte Buddhakopf, der in den Wurzeln eines Bodhi-Baums eingewachsen ist. Unter dem Bodhi-Baum hat Buddha der Legende nach seine Eingebung gehabt.

Touristen reiten auf Elefanten an uns vorbei. Auf den ersten Blick sieht es imposant aus, das orane-gelbe Tuch, der Kopfschmuck, der breite Sitz für zwei Personen mit dem Schirm. Auf den zweiten Blick ist es erbärmlich. Der Elefant schleifte den Rüssel dem Boden entlang und machte ständig Bewegungen mit dem Mund. Beim Elefantencamp hatten sie uns erzählt, dass europäische Menschen in der Regel zu schwer sind für Elefanten, geschweige denn zwei europäische Menschen. Ich mochte nicht lange hinschauen, es machte mich traurig.


Eindrücklich ist der über vierzig Meter lange liegende Buddha. Wir trinken Kaffee und flüchten danach vor der Hitze und der Müdigkeit für einen Moment ins Zimmer. Wir müssen etwas Schlaf nachholen – im Zug hatte die ganze Nacht das Licht gebrannt. Trotz zugezogenen Vorhängen war es deshalb eher eine unruhige Nacht gewesen. 


Zum Abendessen streunen wir auf der Strasse umher in Richtung Ruinen und stellen fest, dass die Essstände alle schon zuammengepackt haben – wie die Touristen. Ich entdecke aber etwas viel besseres: Über einem schmalen Haus aus Beton mit einer grossen Glasfront ist eine Dachterrasse zu erkennen. Einfache Holzstühle und -tische, eine Sicht auf die umliegenden Dächer und den Kabelsalat zwischen zwei Masten, breite Blätter von Bananenstauden und unbekannten Bäumen, am Horizont geht die Sonne unter. Das Licht ist ganz weich, lässt die goldenen Giebel eines Wats weiter hinten noch einmal leuchten, drei Mönche in orangen Kutten sind zu sehen. Obwohl das Restaurant (und Cafe Hunsa) direkt an der Strasse liegt, ist vom Verkehrslärm nicht mehr viel zu hören.

Und dann sitzen wir da und essen unseren Thaifood, schnell wird es um uns herum Nacht. Erste Geckos wagen sich ins Freie, schiessen auf Hauswänden herum, Vögel geben Laute von sich und fliegen auf, erste Fledermäuse. Die Musik ist wie oft hier etwas zu laut, ein anderes Pärchen kommt noch, ansonsten kommen keine weiteren Gäste. Die Einheimischen sitzen im unteren Stock unter der Klimaanlage. 



Ich weiss noch nicht genau, was es ist, was mich an diesen tropischen Nächten anzieht. Es wird früh dunkel, das heisst, ein normaler Teil des Lebens findet statt, während es schon dunkel ist und nicht erst das Nachtleben. Da sind die breiten Blätter des Bananenbaumes, die sich gegen den rot und gelb verfärbten Himmel abzeichnen, die Tiere, die Hunde, die sich am Strassenrand bewegen, die Geckos, die Geräusche, die man tagsüber nicht hört. Es ist die Luft, die noch immer warm ist, aber sehr angenehm, nicht mehr so brennend wie tagsüber. Es scheint hier etwas in der Luft zu liegen, ein Potenzial. Träume und schweifende Gedanken scheinen hier mehr Raum zu haben, vielleicht weil so viel vom Leben draussen stattfindet?

Katharina

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